Reisebericht

Reisebericht: Cluburlaub vor 20 Jahren

 
 
 
 
 
Reisebericht: Cluburlaub vor 20 Jahren

Incentiv-Reise in den Robinsonclub Camyuva im Mai 1988
Zum ersten Mal Urlaub im Club

Unser erster Urlaub in einem Club vor 20 Jahren - Robinsonclub Camyuva, Türkei

 
 
 
 
 
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Mai 1988

Wir wären niemals auf die Idee gekommen, in einem Club Urlaub zu machen. Dafür hatten wir viel zu viele Vorurteile. Von primitiver Unterkunft bis aggressiver Animation. Das traf anfangs auf den Club-Med in gewissem Umfang auch zu. Doch dann lud einer unserer Lieferanten seine erfolgreichsten Fachhändler zu einer Incentive-Reise in den Robinsonclub Camyuva ein. Dazu kann man mit dem besten Willen nicht nein sagen. Zusammen mit ungefähr 20 Kollegen flogen wir von Frankfurt nach Antalya. Die letzten Kilometer auf der Fahrt zum Club begleiteten uns ein paar Jeeps mit fröhlichen jungen Leuten, die deutsche Fahnen schwenkten. Ein bunter Haufen Animateure empfing uns vor dem Eingang mit flotter Musik und Sekt. Mit der Bemerkung, das sei hier so üblich, sagten sie zu allen gleich Du.



 
 
 
 
 
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Wo sind wir hier nur hingeraten? Die Fröhlichkeit war ansteckend und unsere Alltagssorgen schnell vergessen. Der Club war in einen Pinienhain hineingebaut worden. Alte Bäume gingen durch manche Häuser, die man einfach Drumherum gebaut hatte. Wir wohnten im obersten Stock, der meist dreistöckigen Häuser, weit weg vom Pool, nahe der Tennisplätze. Als wir die Tür zu unserem Zimmer öffneten, standen wir in einer Art Atrium, eine weitere Tür führte in unser Zimmer, Dem gegenüber war hinter einem Vorhang die Dusche. Das WC war mit einem Röhrchen ausgestattet, aus dem Wasser kam, damit man die gerade benutzte Körperregion waschen konnte. Praktisch!

Hinter dem Kopfende der Betten war ein Gestell mit Holzstangen angebracht welches beim Abendessen zu den wildesten Spekulationen Anlass gab, wozu das gut sei und wie man es nutzen könne. Die Achtertische des Restaurants standen alle im Freien. Regnen durfte es also hier besser nicht, sonst hätte man Probleme bekommen. Serviert wurde nicht, bevor der Tisch voll besetzt war. Der Gast, auf den der Stiel der Suppenkelle zeigte, bediente die übrigen Gäste am Tisch. Der Tischwein floß in Strömen und es wurden unterhaltsame Abende. Nach dem Essen ging es ins Theater, welches natürlich auch im Freien war. Zum Auftakt gab es die Rocky Horror Picture Show. Man fuhr mit Motorrädern und mit einem großen Amischlitten über die Bühne. Es war ein von uns noch nie gesehenes Spektakel.

Getränke außerhalb der Mahlzeiten mussten bezahlt werden, aber nicht direkt mit Geld, sondern mit verschiedenfarbigen Perlen, die sich zu langen Ketten zusammenfügen ließen und die man sich natürlich mit richtigem Geld kaufen konnte. Die größten Schluckspechte hängten sich diese Ketten um den Hals, um den anderen Gästen zu demonstrieren, was sie vertragen konnten.
Wir waren froh, davon weit weg zu wohnen, wo die Musik spielte. Nach dem Theater gingen wir vor das Tor des Clubs und blieben gewöhnlich gleich im ersten Teppichgeschäft hängen. Der Inhaber bewirtete uns mit Raki, der mit Wasser verdünnt wie Milch aussah, aber nicht ganz so harmlos war. Fliegende Teppiche wurden uns vorgeführt und wir wurden in einen Harem in Antalia eingeladen. Wir fuhren also mit dem Teppichhändler am nächsten Tag nach Antalya. Am Ortsschild löste unser Fahrer seinen Sicherheitsgurt, in der Stadt sei das nicht Pflicht. Wir zogen unseren Gurt fester. Der Harem entpuppte sich natürlich als weiterer Teppichladen, er sei früher einmal ein Harem gewesen. Apfeltee wurde uns serviert und wir fragten, wo man den kaufen könne. Man beschrieb uns den Weg und wir gingen hin. Der dortige Ladeninhaber stand schon mit einem Päckchen Apfeltee in der Hand vor seinem Laden als wir kamen.



Eine Jeep-Tour ins Taurusgebirge stand natürlich auch auf dem Programm. Acht saubere und gepflegte Jeeps standen morgens für uns bereit, es war ja auch die erste Tour in diesem Jahr. Wir fuhren zusammen mit Freunden in einem Jeep. Bereits nach wenigen Kilometern verließen wir die Straße und fuhren auf staubigen und holprigen Wegen ins Gebirge. Wir hatten unsere Verpflegung mitgenommen, als letzter fuhr unser Kollege Schneider mit den Getränken hinterher. Von nun an war er der Getränke-Schneider.



 
 
 
 
 
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Bei einem Köhlerlager hielten wir an. Die Köhler wohnten mit ihren Familien in schäbigen Zelten. Alles sah aus wie bei Zigeunern, aber es waren fröhliche und freundliche Menschen. Wir wurden eingeladen, uns die Zelte von innen anzusehen. Dicke Teppiche lagen auf dem Boden und hingen an den Wänden, wir staunten. Einen ganzen Berghang hatten sie schon abgeholzt und zu Holzkohle verarbeitet. Nur ihre Tiere taten uns leid, Esel und kleine Pferde waren abgemagert und hatten Abschürfungen wo die Tragegestelle auf dem Fell scheuerten. Mitleid mit Tieren ist in südlichen Ländern eher selten.



 
 
 
 
 
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Auf einer Anhöhe, abseits von Wegen, machten wir unser Picknick. Die Motorhaube eines Jeeps diente uns als Tisch. Getränke-Schneider lieferte kalte und warme Getränke. Unsere Animateure machten uns auf Pflanzen aufmerksam, die wir nicht kannten und die man besser nicht anfasst.
Die Häuser in den Dörfern, in denen wir anhielten, waren oft in einem desolaten Zustand, aber die Menschen machten keinen unglücklichen Eindruck.



 
 
 
 
 
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Da trockener Staub auf Fahrzeugen nicht gut haftet, fuhren wir auf dem Rückweg noch durch einen kleinen Bach, um den Jeeps auch das richtige Aussehen zu verleihen. Wir brachten aber alle Wagen wieder zurück, keiner musste stehengelassen werden, was bei anderen Jeep-Touren schon vorkam.

Mit einem Bus, den wir samt Fahrer und Beifahrer gemietet hatten, natürlich durch Vermittlung des Teppichhändlers, fuhren wir zu den Wasserfällen des Manavgat. Weiter ging es nach Side, wo wir das zerstörte Amphi-Theater besichtigten. Wir besichtigten auch das Amphi-Theater von Aspendos und die Ruinen von Perge. Kinder boten Kopftücher und Blumenkränzchen zum Kauf an. Meine Frau hatte sich schon ein Kopftuch gekauft und trug es, trotzdem wurden ihr weitere angeboten. Ihren Einwand, sie habe schon eines, entgegneten sie mit der Feststellung, sie brauche noch eines für sonntags.



 
 
 
 
 
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Mit einem Ausflugsschiff, das zwar Masten hatte, jedoch keine Segel, fuhren wir der Küste entlang. An interessanten Stellen ankerten wir und besichtigten wieder Ruinen. Vollgestopft mit Informationen über die Vergangenheit dieser Landschaft, verlor ich langsam den Überblick und hatte kaum noch Interesse an weiteren Ausflügen in die Vergangenheit. Der Kiesel-Strand unseres Clubs lud zum Sonnen und Schwimmen ein.

Wenn man mit Kollegen verreist, die man größtenteils schon seit Jahren kennt, lernt man kaum neue Leute kennen. Langweilig ist es aber trotzdem nicht und man erinnert sich noch lange an Begebenheiten wie z. B., als bei einem Wasserballspiel Gerdi mit ihrer Kleidung in den Pool sprang oder an die vergeblichen Versuche eines Kollegen, mit einem kleinen Boot vom Strand wegzukommen, die Brandung ihn aber immer wieder zurückwarf.



Fast jeden Abend nach der Show gingen wir vor das Tor des Clubs. Es war schon lange dunkel als ich von einer Telefonzelle aus zu Hause anrief. Meine Mutter sagte, unsere Söhne seien vor der Tür und würden an ihren Fahrrädern basteln. Wir waren im ersten Moment überrascht, dass es bei uns noch hell ist. Eine Woche lang haben wir an einem Seidenteppich gekauft. Jeden Abend haben wir weiter gehandelt. Zuletzt gab uns der Teppichhändler den Teppich ohne jede Sicherheit mit. Ich schrieb ihm nur meinen Namen, die Kontonummer und die Bankleitzahl auf. Er wollte keinen Ausweis sehen und vertraute uns völlig. Heute liegt das gute Stück zusammengerollt nutzlos herum, aber es erinnert uns immerhin an schöne Tage in der Türkei.

Die Absicht von unserem Lieferanten, ihre Händler-Familie dichter zusammenzuschweißen, ist sicher erreicht worden. Kollegen, die man sonst nur gelegentlich auf einer Innungsversammlung getroffen hatte, wurden Freunde und nicht nur als Konkurrenten gesehen. Der Veranstaltung musste natürlich das offizielle Mäntelchen von Fachvorträgen und Seminaren umgehängt werden, die fanden jedoch nicht oder nur in ganz geringem Umfang statt. Uns war´s egal, schön ist es doch gewesen.



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Kommentare
  • minddiver (RP) 09.01.2010 | 19:56 Uhr

    So ist das leider heutzutage... das ist auf jeden Fall mal ein Cluburlaub der heutzutage erwähnenswert wäre... Das große Problem dabei ist doch der Massentourismus. Die Menschen in den touristischen Gebieten sind zwar einerseits abhängig von den Touristen, dennoch haben sie sicher auch gar keine Lust mehr uns zu sehen. Daher ändert sich auch die Einstellung mit der Zeit... Wenn bereits die Eltern damit leben mussten und jetzt die nächste und übernächste Generation ebenfalls in dem Umfeld arbeiten muss gibt es nunmal keine Perspektiven. Die Motivation lässt da klar nach. Ein entspannten und angemessenen Cluburlaub mit viel Spass und Freude am Urlaub erfährt man heutzutage zum Großteil nur noch in spezialisierten Bereichen, wie bspw. dem für Singles. Ich habe gute Erfahrung mit dem Reiseveranstalter adamare Singlereisen gemacht. Da war der <a href="http://www.adamare-singlereisen.de/cluburlaub.htm">Cluburlaub</a> auf Zypern spitzenmäßig organisiert und hat genau meine Vorstellungen und Wünsche erfüllt... Das lobe ich mir...

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