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Reisebericht: Der Berg, unsere Droge. Der Mittellegigrat des Eigers. Von Darek Wylezol
Seit sieben Jahren lebte ich mittlerweile in Deutschland, mit 26 und immer noch unverheiratet. Mein Opa fand das nicht mehr lustig: Studium hin, Berge her aber ein anständiger Pole gehört unter den Pantoffel! Ich allerdings genoss meine Freiheit in vollen Zügen und zog in eine WG, die ich mit Krzysiek, einem Polen aus Stettin teilte. Er war zweiunddreißig, arbeitete schwarz als Koch und hatte eine Glatze. Die Haare verlor er, sagte er, in einer Telefonzelle. Mit einem Piezofeuerzeug brachte er den Telefonzähler auf den entsprechenden Betrag und dann schwätzte er stundenlang mit seiner Freundin in Polen. Das Pech wollte, dass eines Tages während seiner Zündaktion ein Streifenwagen vorbeifuhr und er sich in Panik eine Elektroladung in den Daumen jagte. Seitdem, sagte er, fielen ihm die Haare aus. Von ihm lernte ich im Laufe der Zeit viele wichtige Dinge, zum Beispiel, dass nicht nur die gemeinschaftliche Waschmaschine im Keller unseres Wohnhauses brav polnische Zlotys schluckte. Entgegen der allgemeinen Verteuerung also hielten sich unsere Lebenskosten in Grenzen, so dass ich meistens schon donnerstags in die Alpen fuhr. So war das Leben sorglos und reich an Bergerlebnissen.
Damit aber wich meine Biografie stark von der eines gemeinen Schlesiers ab. Denn laut meinen schlesischen Vorfahren hieß der universelle Schlüssel zum Glück Familie. Mit einer schlesischen Ehefrau: wasserstoffgefärbt, Kirche, Kind und Küche. Dabei war die letzte besonders wichtig, denn viel mehr als woanders ging die Liebe in Schlesien durch den Magen. Fettig und opulent, sodass sich nach fünf Jahren dieses Familienglücks die Wampe schön prall anfüllte. In Sachen Liebe dagegen war häufig schon längst tote Hose.
So stellte sich meine schlesische Familie meine schlesische Zukunft vor. Und der Druck wurde immer größer.
Um sie zu beruhigen, traf ich bestimmte Maßnahmen. Unter anderem stellte ich ihnen Stefan vor. Nein, nicht als meinen Lebenspartner, die Nummer wäre für meine gottesfürchtige Oma zu barbarisch gewesen. Ich stellte ihn als einen Kletterkumpel vor, der nun AUCH auf der Suche nach einer Ehefrau war. Ein heiratswilliger Deutscher – selbst meine Oma glaubte ihren Ohren nicht. Als sie aber hörte, dass er unbedingt eine Polin heiraten möchte, schwand ihr Missvertrauen. Schließlich gelten Polinnen weltweit als beste Ehefrauen und je schneller man zugreift, desto länger währt das Glück! Ich sollte ihn dabei unterstützen und er sorgte für mich – so unsere Absprache - für eine Deutsche, mit der ich meinen Integrationsprozess in Sachen Liebe fortsetzen sollte.
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