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Reisebericht: Iran - Unterwegs im Gottesstaat
Inhaltsverzeichnis
- 'Fliegen wir doch mal in den Iran.'
- Ankunft in Irans Hauptstadt -Teheran
- Verkehrschaos in Teheran
- Golestan Palast
- Einladung in das Finanzministerium
- Größter überdachter Bazar der Welt?
- Nach dem Frühstück zum Schwarzmarkt
- 'Endlich sitzen!'
- Aufbruch nach Shiraz
- Die Plage mit dem Tschador
- Oasenstadt Esfahan
- Mittagspause am Meidan-e Emam
- The Magic Carpetride
- Pilgerstadt Quom
- Hammelspieß im Pilgerrestaurant
- Dumm gelaufen
- Kerman
- Ein persisches Restaurant
- Die schönen Gärten von Mahan
- Arg-e Bam
- Das Geheimnis unter dem Schleier
'Fliegen wir doch mal in den Iran.'
Michael sieht mich etwas überrascht an.
'In den Iran, wie kommst Du denn darauf?'
'Hab da neulich 'nen Bericht im Fernsehen gesehen, war sehr interessant.'
Michael ist skeptisch. Ein paar Tage später kaufe ich 2 Reiseführer und lege sie ihm auf den Schreibtisch.
'Kennen wir jemand, der schon mal dort war?' fragt er irgendwann.
'Nein' muß ich zugeben.
'Hm - na ja, wenn Du es schaffst ein Visum zu bekommen..........'
Einen Flug von Frankfurt nach Teheran hatte ich schnell gefunden, mit Emirates Airlines - via Dubai. Gar nicht so schlecht, da wollten wir doch sowieso schon mal hin. Die Visabeschaffung war einfacher, als ich gedacht hatte, das Formular und alle wichtigen Infos gabs auf der Internetseite der Botschaft. Ganz schön fortschrittlich, dachte ich mir - und tatsächlich: Zwei Wochen später hatten wir unsere Pässe inclusive Visa zurück.
Wie der Zufall so spielt, lernen wir knapp drei Wochen vor Abflug Hadi kennen, einen Iraner, der hier seinen Urlaub verbringt und einen Tag später wieder nach Teheran zurückfliegen wird.
Hadi hat früher für eine deutsche Firma gearbeitet, jetzt kommt er jedes Jahr für ca. acht Wochen in seine kleine Wohnung nach Deutschland und besucht seine Freunde. Die hätte er alle schon x-mal nach Teheran eingeladen, aber bisher sei noch keiner gekommen.
'Sie haben Bedenken in den Iran zu reisen und ihre Frauen wollen im Urlaub nicht mit Kopftuch und Mantel rumlaufen, ich kann das gut verstehen.'
Um so mehr freut er sich, daß wir uns zu der Reise entschlossen haben.
'Ihr müßt unbedingt gleich anrufen, wenn ihr da seid und mich besuchen.'
Er gibt uns seine Telefonnummer und wir versprechen uns zu melden.
Ankunft in Irans Hauptstadt -Teheran
Der Kapitän kündigt an, daß wir in Kürze in Teheran landen werden und die Frauen um mich herum, sind bereits dabei ihre Kopftücher zu binden. Auch ich hole mein Kopftuch aus der Handtasche. Nach der Landung hülle ich mich in den langen, dunkelblauen Sommermantel, den ich mir zu Hause noch geborgt hatte. Die Einreiseformalitäten verlaufen unkompliziert. An einem Schalter tauschen wir erstmal 50 US Dollar in Tuman um.
Beim Verlassen des Flughafengebäudes werden wir bereits vom ersten Taxifahrer angesprochen. Michael fragt, ob er das Ferdossi Grand Hotel kenne. Der Fahrer nickt heftig - ja, ja, das liege im Zentrum, er kenne das Hotel und könne uns hinbringen. Nach kurzen Preisverhandlungen steigen wir ein.
Das Ferdossi Grandhotel wurde im Reiseführer als gutes Mittelklassehotel beschrieben. An der Rezeption sagt man uns, daß noch Zimmer frei wären. Eine Übernachtung im Doppelzimmer, incl. Frühstücksbuffett kostet 45 US Dollar. Der Aufzug bringt uns nach oben. Durch einen rosafarbenen Flur mit duneklrotem Teppich gelangen wir zu unserem Zimmer. Schon beim Eintreten steht für mich fest - hier will ich bleiben. Wände, Teppich, Vorhänge, Sessel, die Tagesdecke auf dem Bett - alles erstrahlt in Rosa und Dunkelrot.
Michael kommt grinsend aus dem Badezimmer und hält ein kleines Plastikfläschchen mit Duschgel hoch - es ist rosa.
' Barbie macht Urlaub in Persien.' Wir müssen beide lachen.
Es ist noch früh am Vormittag, wir packen unsere Koffer aus und sehen uns erstmal das Hotel genauer an. Die anderen Etagen sind in den Farben Grün und Blau gehalten. Auf den Wagen der Zimmermädchen befinden sich grüne, blaue und rosafarbene Plastikfläschchen und Seifen.
Das Ferdossi hat eine hauseigene Konditorei. Wir beschließen erstmal einen Kaffee zu trinken. Die Auswahl im Laden der Konditorei fällt uns schwer. Zahlreiche kleine Schnittchen von Torten und Kuchen, Teegebäck und Plätzchen zieren die Auslage. Wir lassen uns einen Teller mit verschiedenen Köstlilchkeiten zusammenstellen. Den Kaffee serviert man uns in einer Sitzecke der Lobby, die kleinen Kuchen und Törtchen schmecken überragend. Frisch gestärkt verlassen wir das Hotel.
Michael schaut sich den -sehr groben- Stadtplan In unserem Reiseführer an:
' Weit werden wir damit nicht kommen, wir brauchen dringend einen Stadtplan.'
Wir verlassen die ruhige Seitenstraße und erreichen später eine breite und äußerst gut befahrene Straße mit zahlreichen Läden auf beiden Seiten.
'Diese Straße führt auf jeden Fall in Richtung Bazar, vielleicht finden wir ja hier einen Stadtplan.'
In einem kleinen Buchladen wird er tatsächlich fündig. Der alte Mann in dem winzigen Laden kramt irgendwo einen Stadtplan heraus. Die Beschriftung ist in Farsi aber etwas anderes hat er nicht. Er breitet den riesigen, unhandlichen Plan auf seinen Schreibtisch aus und malt irgendwo ein Kreuz rein. Das sei die Stelle, an der wir uns jetzt befinden.
'Was willst Du denn mit einem Stadtplan in Farsi?' frage ich ungläubig.
Michael ist optimistisch: 'Für den Anfang hilft uns das schon, ich weiß jetzt wo wir sind und den Rest können wir uns, mit Hilfe des groben Plans aus dem Reiseführer, zusammensuchen.'
Verkehrschaos in Teheran
Etwas später treffen wir auf eine stark befahrene dreispurige Straße. Die Spuren scheint niemand so richtig wahrzunehmen - die Ampeln auch nicht. Grün oder Rot - egal gefahren wird immer und wo gerade Platz ist. Fünf bis sechs Fahrzeuge nebeneinander sind keine Seltenheit.
'Da müssen wir hin.' Michael zeigt auf die andere Straßenseite.
'Vergiß es, da kommen wir doch niemals lebendig rüber!'
Ich beobachte die Fußgänger, die zwischen den fahrenden Autos, im Zickzack, die Straße überqueren. Ein paar Meter weiter befindet sich ein Fußgängerüberweg aber auch hier achtet niemand auf die Ampelschaltung.
Ich hole nochmal tief Luft und laufe hinter Michael her. Wir rennen zwei, drei Meter - stop da kommt ein Auto - bleiben stehen - schlagen einen Haken nach links - wieder ein Auto - dann kurz nach rechts - hinter mir schießt ein Moped vorbei, vor mir ein Taxi. Erleichtert atme ich drüben nochmal kräftig Abgasluft ein. Bei dem Gedanken, daß ich heute irgendwann wieder zurück muß, wird mir ganz übel.
Zu den Hauptverkehrszeiten, erstickt Irans Hauptstadt täglich im Verkehrschaos.
Wenn nirgends mehr ein Vorwärtskommen möglich ist, und der Verkehr sich nur noch stockend weiterbewegt, geht es um Zentimeter. Zwischen den dicht an dicht stehenden Fahrzeugen quetschen sich Mopeds und Fußgänger durch. Da muß schon mal ein Seitenspiegel dran glauben. Kein Fahrzeug überlebt hier ohne Beule und Kratzer. Wer weiterkommen will, geht kürzere Entfernungen zu Fuß.
Golestan Palast
Wieder in einer etwas ruhigeren Straße angelangt, laufen wir schließlich an einem parkähnlichen Gelände vorbei, das von hohen Mauern umgeben ist. Vom Eingangstor aus erkennen wir am Ende der Grünanlagen und Teiche einige alte Gebäude.
'Das scheint irgendwas Historisches zu sein', sage ich noch, während Michael bereits im Reiseführer herausgefunden hat, daß es sich um den im frühen 19. Jahrhundert errichteten Golestan Palast handelt.
Schon von weitem fallen uns die bunten, mit Fliesen verzierten Fassaden ins Auge. Noch eindrucksvoller sind die prunkvoll gestalteten Innenräume des Palastes. Nicht nur die mehrere Meter hohen Wände, sondern auch Fußböden und Decken, sind mit Glas- und Spiegelmosaiken bedeckt.
Einladung in das Finanzministerium
Anschließend spazieren wir duch die Grünanlagen und erreichen ein Teehaus mit kleinem Restaurant. Es ist Mittagszeit und es ist gut besucht. Wir trinken Tee und unterhalten uns über den prunkvollen Palast.
Am Nebentisch sitzt eine Gruppe iranischer Frauen, die hier zu Mittag essen. Sie alle sind äußerst korrekt, nach iranischer Kleidervorschrift, gekleidet. Jede trägt einen langen Mantel und unter dem straff sitzenden Kopftüchern verirrt sich kein Hährchen nach außen.
Die Frauen unterhalten sich sehr angeregt und werfen uns hie und da interessierte Blicke zu. Die Mittagspause scheint beendet und langsam leert sich das Restaurant. Auch die Frauen bezahlen und erheben sich. Eine davon kommt zu uns an den Tisch. In gutem Englisch entschuldigt sie sich für die Störung. Sie hätte bemerkt, daß wir deutsch sprechen. Ob wir Touristen sind und wie es uns in Teheran gefällt, möchte sie wissen.
Ja, wir sind Touristen, aber erst heute morgen angekommen und außer dem Golestan Palast haben wir bisher noch nichts gesehen - aber der hat uns schon mal ausgesprochen gut gefallen. Wir lachen alle drei und sie sagt ihre Mittagspause wäre jetzt zu Ende und sie müsse wieder zur Arbeit.
Ob wir nicht mitkommen wollen, sie arbeite im Finanzministerium und das wäre gleich hier um die Ecke. Wir sind nicht sicher, ob wir das richtig verstanden haben und Michael wiederholt:
'Sie arbeiten im Finanzministerium und möchten, daß wir mitkommen?'
Sie lacht: 'Ja, wir können dort noch einen Tee trinken. Die Frauen an meinem Tisch sind meine Arbeitskolleginnen, sie würden sich sehr freuen.'
Wir nehem die Einladung an und laufen, immer noch verblüfft, mit ihr die kurze Strecke zum Finanzministerium, einem großen Gebäude mit Wachposten am Eingang. Unterwegs erfahren wir, daß ihr Bruder eine deutsche Frau geheiratet hat und mit ihr in Köln lebt.
Im Büro angekommen, werden wir freudig begrüßt. Unsere Gastgeberin ist hier die Abteilungsleiterin und bevor wir uns versehen, sind Frauen und Männer der gesamten Abteilung im Büro versammelt. Wir trinken zusammen Tee.
Einige sprechen englisch und müssen für die anderen übersetzen. Alle wollen wissen, wie es uns im Iran gefalle.
Lachend geben wir zu, erst vor ein paar Stunden hier angekommen zu sein und, daß wir nicht im Traum daran gedacht hätten, gleich an unserem ersten Tag in ein Ministerium eingeladen zu werden.
Einer der Männer fragt, was wir heute noch vor haben.
'Vielleicht noch zum Bazar laufen' sage ich.
Wir erfahren, daß die Läden im Bazar jetzt, in der Mittagszeit, fast alle geschlossen sind. Bis dahin könnten wir in aller Ruhe hier noch einen Tee trinken. Anscheinend hat man Zeit im Finanzministerium.
Die Frauen wollen wissen, ob es für mich nicht unangenehm sei, ein Kopftuch und einen langem Mantel tragen zu müssen. In Deutschland gäbe es doch bestimmt keine Kleidervorschriften für Frauen.
Ich antworte, daß es schon in Ordnung für mich ist. Es ist November und obwohl es hier in Teheran wesentlich wärmer ist, als bei uns in Deutschland, kann ich den Sommermantel gut gebrauchen. Ein Kopftuch würde ich zu Hause zwar nicht freiwillig tragen, weil ich Kopfbedeckungen von Haus auf nicht mag, aber ich werde mich schon irgendwie dran gewöhnen. Die Abteilungsleiterin übersetzt und alle lachen.
Sie und viele ihrer Arbeitskolleginnen, wären auch anders aufgewachsen. Damals, in ihrer Jugend, war der Iran sehr westlich orientiert, sagt sie. Teheran sei am fortschrittlichsten gewesen und die jungen Frauen hätten alle keine Kopftücher getragen. Jetzt sei das Vorschrift und sie müßten sich dran halten.
Sie hätten immer für ihre Rechte gekämpft, auch als man den Frauen im Ministerium den Arbeitsplatz nehmen wollte, wären sie trotzdem jeden Tag zur Arbeit gegangen. Irgendwann hätte man das akzeptiert und jetzt gibt es auch schon wieder Frauen in leitenden Positionen.
Schließlich seien sie keine Araberinnen - die würden ihren Schleier gerne tragen - aber die iranischen Frauen ihrer Generation, hätten die Kleiderordnung von Anfang an abgelehnt und um ihre Rechte gekämpft.
Tief beeindruckt verabschieden wir uns - nicht ohne versprechen zu müssen nochmal vorbeizukommen.
Größter überdachter Bazar der Welt?
So steht es im Reiseführer. Das steht auch im Reiseführer über den Souq in Aleppo und sogar über den Souq in Kairo weiß ein Reiseführer zu berichten, hier wäre der größte Souq im Orient. Letzteres ist nun wirklich etwas realitätsfremd, es sei denn der Orient hört für den Schreiber hinter den Grenzen Ägyptens auf.
Ok. der Souq in Aleppo ist riesengroß und der Bazar in Teheran ist riesengroß. Keine Ahnung welcher nun mehr Geschäfte und welcher mehr Kilometer an Gassen aufweisen kann. Ist auch egal, verlaufen wird man sich in Aleppo und in Teheran.
Bleibt noch die, in allen Reiseführern immer wieder auftauchende, Frage nach der Ursprünglichkeit eines Bazars oder Souqs zu klären.
JA, der Bazar in Teheran ist noch -ganz ursprünglich- nach Warengruppen geordnet und NEIN, es gibt sie nicht mehr, die Seile- und Sattelmacher, denen so sentimental hinterhergetrauert wird.
Das Warenangebot im Souq orientiert sich seit jeher am Bedarf des Kunden und hätte es im Mittelalter bereits elektrische Wecker gegeben, hätte man sie auch damals im Souq verkauft - wo sonst?
Nachmittag - wir sind in den engen Gassen des Bazars unterwegs. Sehr geschäftig geht es hier zu und - es hat so gar nichts von beschaulicher Gemütlichkeit. Der Bazar ist hektisch, laut, eng, unübersichtlich. In den geschäftigsten Gassen kommt man kaum dazu irgendwo stehenzubleiben. Menschen, Mopeds, Lastenträger, Sackkarren alle scheinen sich gleichzeitig hier durchzwängen zu wollen. Endlich in einer ruhigeren Seitengasse angekommen, bleiben wir an einem Saftstand stehen und erholen uns erstman mit frischgepreßtem Orangensaft.
'Hast Du irgendeine Ahnung, wo wir jetzt sind?' frage ich.
'Nein, ist das wichtig? Irgendwo kommen wir schon wieder raus.'
Er hat also auch die Orientierung verloren - das beruhigt mich, sonst bin ich immer diejenige, die keine Ahnung hat wo wir uns befinden, während er mir unseren Standort sofort auf dem Stadtplan zeigen kann.
Zwischen den hektischen Hauptadern des Bazars laufen unzählige kleinere Gassen, in denen es wenigsten ab und zu beschaulich zugeht.
Wir entdecken einen Laden mit außergewöhnlich schönem Briefpapier. Große und kleine Bögen, an den Seiten mit wunderschönen farbigen und goldenen Ornamenten verziert. Ich bin begeistert, kaufe gleich mehrere Packungen in verschiedenen Größen und bin mit dem ausgehandelten Preis äußerst zufrieden.
'Hätten wir die gebraucht? Du schreibst doch niemals so viele Briefe.'
Klar, er hat schon recht aber ich kann ja auch einen Teil verschenken und den einen oder anderen Brief werde in meinem Leben ja doch noch schreiben.
Wir gehen weiter und gelangen irgendwann in den Teil des Bazars, in dem es die Haushaltswaren gibt. Töpfe, Pfannen, Tissueboxen in Form von goldenen Sofas und Porzellan - eine ganze Halle voll mit Tafel- und Kaffeegeschirr. Auch das ist eine Schwäche von mir. Wir brauchen ewig, bis wir durch sind. Porzellan läßt sich nunmal nicht so einfach transportieren wie Briefpapier und so gebe ich mich mit dem Betrachten der schönen Formen und Muster zufrieden.
Langsam machen die Läden dicht, wir sind auch schon ziemlich fertig und beschließen für die Rückfahrt zum Hotel ein Taxi zu nehmen. Daraus wird dann aber leider doch nichts. Die Straßen sind vollkommen dicht., in der Innenstadt steht der Verkehr still. Gehupt wird trotzdem.
Also doch zu Fuß zurück - wenigstens lassen sich die mehrspurigen Straßen jetzt einfach überqueren.
Nach dem Frühstück zum Schwarzmarkt
'Heute müssen wir unbedingt Geld tauschen', ich halte Michael die restlichen Noten vors Gesicht: 'Weit kommen wir damit nicht'.
Er nickt. 'Nimm am besten gleich 300 Dollar mit, wir müssen auch noch das Hotel bezahlen.'
'Das können wir auch mit Dollar machen' antworte ich.
'Ja, aber lange halten wir uns in Teheran nicht mehr auf und unterwegs müssen wir den Schwarzmarkt erst wieder suchen' räumt er ein.
Ich stecke die Dollar in meine Hosentasche, hülle mich in meinen langen, schwarzen Mantel, trapiere den Schal um den Kopf und warte.
'Beeil Dich mal, ich vergehe sonst vor Hitze in meiner Vermummung!'
Endlich ist auch er soweit. Wir spazieren die breite Treppe nach unten. Der Frühstücksraum des Ferdossi Hotels ist leer. Der Kellner deutet nach unten. Heute wäre im Restaurant gedeckt. Dort herrscht reger Betrieb, anscheinend sind gestern noch sehr viele Gäste angereist. Irgendwo finden wir noch einen kleinen Tisch. Während ich meine erste Tasse schwarzen Tee trinke, sehe ich mich um. Links von uns sind mehrere Tische mit älteren Leuten besetzt, sieht aus wie eine Reisegruppe.
Zwei Engländerinnen tauchen auf und nehmen an dem kleinen Tisch neben uns Platz. Die ältere trägt eine kurze Bluse und keine Kopfbedeckung. Die andere sitzt ihr in einem bodenlangen Sommermantel gegenüber. Um den Kopf hat sie locker einen Schal geschlungen. Ich denke mir noch, die kann sicherlich auch keine Kopftücher leiden, als der Kellner an den Tisch der beiden tritt. Er fordert die ältere Frau höflich aber bestimmt auf, sich an die Kleidervorschriften zu halten. Sie versucht zu diskutieren, der Kellner läßt sich aber nicht darauf ein. Dies wäre ein öffentlicher Raum und wenn sie ihr Frühstück hier einnehmen möchte, müsse sie sich an die Kleiderordnung halten. Man könne ihr aber auch gerne das Frühstück aufs Zimmer bringen. Sie verdreht genervt die Augen und verläßt den Raum, um etwas später mit Kopftuch und langer weiter Bluse zurückzukehren.
Michael grinst: 'Das Frühstücksbuffet ist ihr wohl doch wichtiger als das Kopftuch. Ich hole mir noch eine Tasse Kaffee, soll ich Dir auch eine mitbringen?'
'Nein, den löslichen Kaffee krieg ich nicht runter, ich bleibe beim Tee.'
Ich nehme mir ein dünnes Fladenbrot, Gurken, Tomaten und Schafskäse.
'Mmmm das ist mein Lieblingsfrühstück, schade, daß es dieses Brot zu Hause nirgends gibt.'
Michael hält mir seinen Teller unter die Nase:
'Die kleinen Kuchen- und Tortenschnittchen, mit den Pistazien oben drauf, sind aber auch nicht zu verachten.'
'Haben Dir die Russinen noch was übriggelassen?' frage ich.
Amüsiert schauen wir gleichzeitig rüber zu der großen Tafel, an der sich die Russinen mit ihren Männern niedergelassen haben. Das Kuchenbuffet findet bei den Frauen jeden Morgen besonders großen Anklang.
Nach dem Frühstück machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Schwarzmarkt der Geldwechsler, der sich ganz in der Nähe der großen Banken befindet. Der offizielle Tauschkurs der Banken, sowie der aktuelle Kurs auf dem Schwarzmarkt sind in der Tageszeitung zu finden.
Kreditkarten und Reiseschecks werden im Iran nirgends akzeptiert. Wir haben unsere Bargeldbestände zum Teil im Hotelsafe deponiert. Der andere Teil steckt in meinem BH.
'Wo verstauen wir denn die Banknoten, wenn wir alles in bar mitschleppen müssen?' hatte Michael mich zu Hause noch gefragt. Nach längerem Nachdenken über Geldgürtel, Brustbeutel und was es sonst noch alles gibt, hatte ich endlich eine Idee. Ich kaufte mir einen BH, aus dem sich die Einlagen herausnehmen ließen und ersetzte diese mit Banknoten.
Am Schwarzmarkt angekommen, werden wir gleich angesprochen. Der Geldwechsler versucht noch eine Provision für sich rauszuschlagen und nennt einen höheren Kurs. Ich sage ihm, daß wir den heutigen Kurs kennen und auf keinen Fall mehr bezahlen werden. Er zeigt sich einverstanden. Ob wir Euro oder US-Dollar umtauschen möchten will er wissen.
'US-Dollar, sage ich. Michael fragt nochmal nach, ob er denn wirklich auch Euro tauschen würde.
'Ja, ja, kein Problem - Euro, US-Dollar - was Sie möchten.'
'US-Dollar' antwortet Micheal.
'Wieviel' er hält bereits seinen Taschenrechner in der Hand.
'300' sage ich. Er tippt die Summe in seinen Rechner und zeigt mir das Ergebnis.
Michael rechnet auf seinem eigenen Rechner nach und kommt auf eine andere Summe. Kopfschüttelnd hält er dem Geldwechsler seinen Taschenrechner vor die Nase.
'Ja, ja, Provision' gestikuliert dieser.
'Keine Provision oder wir gehen wo anders hin' antworte ich ihm.
'Ok.' Er gibt nach und holt ein riesiges Bündel Scheine aus der Tasche, das er mir überreicht. Ich nehme die Hälfte und gebe sie Michael. Wir zählen beide nach, rechnen unsere Summen zusammen - stimmt. Ich krame unter dem langen Mantel in meiner Hosentasche, hole die 300 Dollar raus und gebe sie dem Händler. Die paar Scheine hat er schnell nachgezählt.
'Ok.' sagt er und bietet Michael noch eine Zigarette an.
Beide rauchen - noch ein kurzer Smaltalk und wir verabschieden uns mit Händedruck.
'Endlich sitzen!'
Erschöpft sinke ich in einen Sessel in der Lobby des Ferdossi Hotels. Michael bestellt uns zwei Kaffee. Im Gegensatz zum Kaffee beim Frühstück, ist dieser hier schon fast genießbar.
Hinter uns liegt ein anstrengender Tag. Nach dem Frühstück sind wir zum Nationalmuseum aufgebrochen, das ebenfalls im Zentrum liegt und vom Hotel aus gut zu Fuß erreichbar ist. Das bedeutendste Museum Irans birgt Exponate aus vor- und frühchristlicher Zeit bis hin zur Dynastie der Sasaniden. Alle Exponate sind sehr gut präsentiert und auch in Englisch ausgezeichnet.
In der Nähe des Museums befindet sich ein kleiner Park mit schönem Teehaus, dort hatten wir uns erstmal etwas erholt und über unsere Eindrücke gesprochen. Unser Mittagessen bestand aus Kebab und Falafel, das wir an einem Straßenstand zu uns nahmen. Vegetarier haben es im Iran nicht leicht und so war ich heilfroh, diesen Stand gefunden zu haben.
Nicht weit davon, in einer kleinen Seitenstraße, entdeckte ich in der Auslage eines Uhrengeschäftes einen Wecker, in Form einer Moschee. Das superkitschige Teil ist aus weißem Plastik, mit goldenen Monden auf den Minaretten und brüllt beim Wecken eine Sure aus dem Koran. Außer ALLAH verstehe ich zwar kein Wort des Gesangs aber der Wecker mußte her.
Danach nahmen wir uns ein Taxi und fuhren die Vali-ye Asr entlang zum Grünen Palast, den Reza Sha im Jahre 1925, im Norden der Stadt, errichten ließ. Die Außenfassaden wurden mit grünem Marmor verkleidet. Im Inneren befindet sich viel persisches Kunsthandwerk. Besonders eindrucksvoll fanden wir die Stukarbeiten und kleinteiligen Spiegelmosaike.
Anschließend spazierten wir noch etwas im Park umher und fuhren dann mit dem Taxi einige Kilometer auf der Vali-ye Asr zurück. Michael wollte unbedingt an einem der zahlreichen Computer- und Softwareläden aussteigen und sich dort umsehen.
Das Kopieren von Computersoftware ist im Iran anscheindend nicht strafbar. Ganz legal werden die CD's in diesen Geschäften, für ca. 5 US-Dollar pro Stück, verkauft und sind in Englisch oder Farsi erhältlich.
Michael war natürlich begeistert und aus den Läden kaum mehr herauszubringen.
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Sehr interessanter Bericht von eurer abenteuerlichen Reise durch ein für mich völlig fremdes Land.
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Ein lebendiger geschriebener Bericht. Fast, als ob man dabei gewesen wäre.
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Großartig geschrieben und ich finde es besonders interessant den Iran mit den Augen einer Frau, also einer TouristIN zu sehen. Ich habe gerade angefangen Persisch zu lernen, und wer weiß, vielleicht schaffe ich es eine Reise in den Iran zu verwirklichen - dein Bericht hat mir auf jeden Fall Gusta gemacht ;-)
Liebe Grüße
Kerstin -
Ich lebe und arbeite seit 8 Monaten in Tehran und muß sagen dass ich noch nie eine bessere Beschreibung des Landes und deren Leute zu lesen bekam.
Bin schon auf weitere Berichte der Beiden gespannt.
Choda hafez -
Toll geschrieben, so richtig zum mitreisen! Herzlichen Dank.
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Sehr schöner Bericht, bei unserer reise vor 2 Jahren waren die Bekleidungsvorschriften glücklicherweise schon etwas lockerer-keinen extra Mantel mehr, Sandalen ohne Strümpfe, Schal statt Kopftuch.
Lg Ute -
Wirklich ganz toller Bericht.
Da würde ich doch am liebsten gleich eine Iranreise planen!
Nette Grüße von Josef -
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