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Reisebericht: Tansania/Sansibar Frühling 1993
Inhaltsverzeichnis
Tansania/Sansibar, ein Fuß am Kilimandscharo, März-April 1993
Marie-Luise, Claudias Mama, arbeitete dort als Entwicklungshelferin und ich spekulierte damit, dass ich dort ein paar Zusatzinfos bezüglich der Diplomarbeit, die ein Jahr später anstand, sammeln kann, das Thema war „Befestigung von Schotterstrassen im südlichen Afrika“.
Claudi, ich und Bernd, ein Freund von Claudi, der sich im Laufe der Reise zu Claudias „Freund“ entwickelte, und sie übrigens bis heute noch ein schönes glückliches Paar sind, flogen mit der KLM über Amsterdam nach Dare-Salam, Hafen des Friedens.
Nach einer kleinen Paff-Abenteuer und seinen Folgen in der Innenstadt von Amsterdam warteten wir auf unseren verspäteten überfüllten Anschlussflug nach Dare-Salam.
Auf der Fahrt vom Flughafen nach Hause sah ich die iranische Botschaft in der Nobelgegend der Stadt.
Bernds Gepäck kam in Dare-Salam erst drei Tage später an; er erkrankte dort an Darmbeschwerden und sein Fieber kletterte eines Nachmittags auf fast 42°C!
Danach war er ziemlich angeschlagen und ich denke, er hat bis heute mit den Folgen dieser Reise zu kämpfen. Ich und Bernd hatten uns damals erstmalig mit sämtlichen Impfungen voll pumpen lassen.
Claudia war halbes Jahr vorher in Afrika und hatte die meisten Impfungen.
Wir nahmen zusätzlich zu den Vaccinationen vor, während und nach der Reise die Malaria-Prophylaxe.
Aus den zweieinhalb Wochen haben wir versucht, denke ich, das beste zu machen.
Marie-Luise, Maritz genannt, hatte ein wunderschönes Haus am indischen Ozean, allerdings ohne Blitzabteiler, was uns während der Regenzeit bisschen Sorgen bereitet hat.
Der damalige Lebensgefährte von Maritz war ebenfalls ein netter Entwicklungshelfer aus Italien, Franco, den ich gleich als Mafiosen begrüßte.
Wir sind zu fünft auf dem Luftkissenboot nach Sansibar gefahren. Ich, Bernd und Claudia haben in der Regel viel höhere Preise gezahlt als Franco und Maritz, die in Tansania residierten und Ihre Gehälter in tansanischen Schillingen bezogen.
Für Sansibar war zusätzlich zu den für Tansania vorgeschriebenen Impfungen auch noch die Cholera-Impfung verpflichtend.
Ich hatte mir diese sinnlose Impfung, die nicht mal 50%-igen Schutz gegen diese Krankheit bot, von meinem Hausarzt geben lassen.
Die anderen waren schlauer und haben sich selbst Abdrücke von Fünfzigpfennig-Münzen bzw. Proforma-Signaturen von einem Arzt in Dare-Salam in den Impfpass stempeln lassen und Cholera daneben geschrieben, was bei der Einreise gar nicht auffiel.
Es waren paar wunderschöne Tage auf der Insel, diese ehemals deutsche Kolonie, die gegen Helgoland an die Holländer abgetreten wurde.
Vor der Wiedervereinigung mit dem Festland hieß Tansania Tanganica, wie der wahrscheinlich tiefste afrikanische See, der im Süden Tansanias an Sambia und im Westen an Zaire grenzt.
Wir buchten bei einem deutschsprachigen Reiseführer, Omar, der jahrelang am Hamburger Hafen gejobbt hatte und sich ein Existenzminimum auf Sansibar aufgebaut, eine Rundfahrt durch die Insel zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
Er führte uns u.a. zu Persischen Bädern! Ich war so stolz, denn wir hatten fast nichts aus der deutschen Kolonialzeit zu sehen bekommen, aber Persische Bäder!
Omar zeigte uns weitere Highlights hinsichtlich Flora und Fauna. So bekamen wir erstmalig Zimt- und Pfefferbäume zu sehen.
Jetzt war der Spruch „...., wo der Pfeffer wächst“, etwas nachvollziehbarer geworden.
Am nächsten Tag fuhren wir zur Prison Island, Knastinsel, wo wir uns die ehemaligen Gefängnisse und Riesenschildkröten angeschaut haben.
Ich und Claudi genossen den Spaziergang an traumhaften Stränden und sammelten Muscheln.
Abends im Hotel, wo wir drei Nicht-Residents ein hässliches Suite teilten, haben ich und Bernd einen dreckigen Witz nach dem anderen gerissen; Claudi war immer genervt und gleichzeitig belustigt.
Zurück in Dare-Salam musste Maritz dienstlich nach Deutschland, so dass sie uns schweren Herzens auf die Reise zum Klimandscharo verabschiedet hat.
Sie überließ uns netterweise ihren leistungsfähigen Geländewagen, der uns unterwegs die nächsten Tage ein Refugium war.
Ich hatte damals fast zwei Jahre kein eigenes Auto und dadurch eine etwas unsichere Fahrweise; Bernd hatte keinen Führerschein, so dass Claudi überwiegend allein gefahren ist.
Bernd litt an Dauerdurchfall, Claudi hatte zweimal nächtlich nach langer Fahrerei heftige Migräneanfälle und zu allem Übel: Der Klimandscharo zeigte sich uns zunächst nicht; der Berg war zwei Tage lang verhüllt in Wolken, auch als wir einen Spaziergang vom Dorf am Fuße des Berges bis zu ca. 2.200 m unternahmen.
Wir waren in einem hässlichen überteuerten Hotel in Moshi untergekommen und teilten zu dritt zwei schmale Betten, wobei Claudi, sich aufopfernd, in der Mitte auf der Kante schlief.
Deprimiert von dem unwirtlichen Hotel, überhöhten Preisen und verhüllten Berg, haben wir versucht, alles trotz allem mit Humor und Fassung zu tragen.
Bernd brauchte die Sanitäranlage auf Grund seiner Beschwerden viel öfters als wir und ich flehte ihn immer spaßig an, dass er mit seiner „Aura“ sparsamer umzugehen hätte, da die Gase wegen der schlechten Belüftungssysteme bis ins Zimmer zogen.
Am dritten Morgen wachten wir durch Bernds Freudeschreie auf: Klimandscharo fuck yourself!!!
Der Berg zeigte sich nun in seiner gesamten Pracht und ich sah die höchste Erhebung Afrikas vor mir vom Fenster eines trostlosen sozialistisch eingerichteten Hotels zum zweiten Mal: Das erste Mal durfte ich den Gipfel von der KLM-Maschine aus bewundern, wofür ich fast bei einem Tansanen mit Fensterplatz auf dem Schoß saß, um mein legendäres Foto zu schießen.
Auf einer Tagesfahrt zum Ngorongorokrater nahmen wir einen Hotelangestellten mit, der seine Familie in der Nähe des Kraters besuchen wollte.
Dieser Krater ist vermutlich entstanden, als an dieser Stelle ein Vulkanberg in sich zusammenbrach und beheimatet heute zahlreiche Tierarten.
Auf der anderen Seite des Kraters befindet sich der berühmte Nationalpark Serengeti.
Der Hotelangestellte war sehr nett; wir freuten uns, einen Einheimischen im Schlepptau zu haben, der uns den Weg zeigt und eventuell paar Geheimtipps für unsere weitere Tour verraten kann, so dachten wir zumindest!
Als Claudi ihn nach Serengeti fragte, hat er nur vor sich hin gelächelt.
Bernd drückte ihm die tansanische Karte in die Hand und versuchte, mehr Infos von ihm zu bekommen.
Irgendwann sagte Bernd: „Leute, ich glaube, der Typ hat nicht alle Tasten im Schrank. Ich habe ihn nach Klimandscharo gefragt, und er hält die Karte andersrum in der Hand und schaut sich die Region in Kenia an!“
Ich und Claudi prusteten los und der arme Kerl lachte natürlich mit! Naja, es war natürlich nicht die feine englische Art von uns.
Auf dem Rückweg hatten wir wieder ein lustiges Erlebnis, und zwar war hinter einer Strassenkurve eine riesige Herde von Pavianen mitten auf der Strasse versammelt, die uns den Weg versperrten.
Claudi grinst sarkastisch: Na toll, hält an und wir lachen erstmal alle über die ungewöhnliche affige Sitz-Meeting vor unserem Auto.
Der eine klebte an meiner Fensterscheibe hinten und glotzte mich idiotisch an.
Claudi murmelte heiter, bitte lasst uns mal vorbei, ich bin ganz tierlieb und vegetarisch!
Es hat aber eine ganze Weile gedauert, bis sich die Freunde verzogen. Mit Pavianen ist eigentlich nicht zu spaßen. Sie können ziemlich zickig, grässlich und unangenehm werden.
Einen Abstecher zum Nationalpark von Mount Meru haben wir uns ebenfalls gegönnt, wo uns zwei Giraffen den Weg versperrten, die gleichgültig an Baumblättern kauten.
Am nächsten Tag sind wir zu einem Wald-Wildpark in der Nähe von Arusha gefahren, wo wir allerdings zu spät gegen 17:00 am Eingang waren.
Der geldgierige Wächter schickte uns nicht fort, sondern kassierte die Eintrittsgelder, obwohl es schon gefährlich war, um diese Zeit in den Park zu fahren.
An einem schlammigen Hang auf unbefestigtem Weg blieben wir in einer unglücklichen Schräghaltung zum Abhang stecken und klemmen.
Mit dem Ganggetriebe des Geländewagens kannten wir uns nicht so gut aus.
Wir bemerkten das Wegweiser-Schild am gegenüberstehenden Baum: Leopardengebiet!
Claudi wurde panisch und stotterte irgendwas von Tsetsefliegen; ich wurde vor Angst so leichenblass, dass Claudi bei meinem Anblick noch nervöser wurde.
Der Wagen drohte den Abhang herunterzurollen, wenn wir falsch angefahren wären. Bernd behielt die Nerven bei, klärte uns auf, dass die Tsetsefliegen die Schlafkrankheit nur bei den Kühen übertragen (was nicht stimmte), nahm sich die englischsprachige Bedienungsanleitung des Wagens aus dem Handschuhfach heraus und studierte alles haargenau.
Uns war klar, dass sich keiner von uns geraut hätte, aus dem Wagen zu steigen und den Wagen zu schieben.
Nach ca. einer Stunde und Befolgen von Bernd Anweisungen konnten wir uns aus den Schlammfängen befreien und rückwärts zurückfahren; bloß weg hier! Es war auch schon dunkel.
An diesem Abend wechselten wir auf Anraten von Bernd zu einem Hotel mit Schweizer Management mitten in Pampas: Dick Dick, wie nach einer tansanischen Zwergantilope benannt.
Wir zahlten im Dick-Dick-Hotel pro Zimmer damals 60 US $, was jeden Cent wert war. Schließlich haben wir uns gut erholen können, und die letzte Klimandscharo-Erinnerung war kein hässliches schlecht akklimatisiertes Hotel in Moshi, sondern eine wunderschöne liebevoll eingerichtete Umgebung.
Auf der Rückfahrt nach Dare Salam verfuhren wir uns an der Kreuzung Korogwe und verfehlten den Haupt-Highway. Das war übrigens die Kreuzung, an der wir (eigentlich ich) bei der Hinfahrt ungeachtet des herrschenden Linksverkehrs falschherum in den Kreisverkehr eingefädelt waren!
Es begann, heftig zu gießen, so dass diese falsche Tertiärstrasse nach kurzer Zeit in einem katastrophalen Zustand war.
Als der Regen etwas nachließ, hielten wir am Straßenrand an, wo ein einheimischer Bauer gearbeitet hatte. Wir fragten: Korogwe?
Vor uns stand ein kleiner Buschmann in Unterhosen, bei dem Fliegen um die Nasenlöcher kreisten. Er hob die Machete zur Gegenwehr; wir wiederholten: Korogweh?
Er gab ein dumpfes Geräusch von sich, und zwar aus der tiefsten Kehle: ÖÖÖÖeee!
Wir gaben auf, trugen die Abfuhr mit Fassung, kurbelten die Fensterscheibe hoch und fuhren auf der „falschen“ Strasse weiter.
Bernd schmunzelte: Wahrscheinlich heißt Korogwe im einheimischen Suahely-Dialekt was versautes wie f.......!!!
Claudi sagte: Na ja, kann schon sein, wie er sein Buschmesser danach erhoben hat!
Angekommen an einer riesigen Pfütze, in die wir auch noch versehentlich hineingefahren sind und klemmen blieben, kam uns ein Laster entgegen, der hinter voll mit Menschen war.
Ich ragte mich aus dem Autofenster heraus und rief: Korogwe?
Auf einmal zeigten Dutzende von Zeigefingern in alle Himmelsrichtungen.
Claudia und Bernd lachten und verstanden: Wir müssen umkehren!
Die Afrikaner halfen uns aus der Pfütze und wir fuhren belustigt zum Kreisverkehr, wobei der Sprit immer knapper wurde.
Die restliche Fahrt nach Dare Salam erwies sich als eine Qual für Claudi, denn die anderen Autos fuhren in der Regel ohne Licht, die Pannen wurden nicht per Warndreieck, sondern per Häufchen Gras kenntlich gemacht, und jedes Mal, wo Claudi zum Überholen ansetzte, hat irgend ein Idiot sie ganz knapp links überholt.
Als wir schließlich zu Hause ankamen, wo uns Franco besorgt erwartete, hatte Claudi ihre nächste Migräneattacke.
Wir erholten uns die letzten zwei Tage am Bahari-Beach in der Nähe von Dare Salam.
Dort mied Bernd wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustandes die Sonne und trug außerdem Ärmel-T-Shirt, um sein Tatoo zusätzlich vor Sonnenstrahlen zu schützen.
An unserem letzten Tag bemerkte Claudi am Strand paar ungeschickte schüchterne Europäerinnen, die sich breit machten und sagt: Hey, wetten, dass es die KLM-Tussen sind, die uns morgen Abend begleiten?
Und dem war tatsächlich so.
Meine erste Reise nach Schwarzafrika war gut ausgestanden. Nun geht es zurück zu den letzten Studiensemestern und zu meinem Schatz nach Deutschland.
Insgeheim dachte ich: Lieber Klimandscharo, Du bist ein Mythos, bleibst auch mein Mythos und wir werden uns sicher ein drittes Mal begegnen.
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Lustiger Beitrag.
Schade, dass Du keine Bilder eingefügt hast.
Gruss -
Köstlich amüsiert!
Du hast echt Humor und viel Energie.
Alles Gute
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Ganz anders Afrika erleben!
Toller Bericht!
leider keine Fotos
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Was wurde an die Holländer abgetreten? Zanzibar? Helgoland? Beides wäre falsch!
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Kleiner Hinweis: 1890 wurde das Sultanat *Sansibar* (bestehend aus Unguja/ Pemba) britisches Protektorat u. dem britischen Kolonialreich einverleibt. Auf keinen Fall wurde es, von Großbritannien gegen die Insel Helgoland eingetauscht (Sansibar-Vertrag) – die Wahrheit ist – Sansibar war nie deutsche Kolonie, sondern bis 1890 freies Sultanat. 1963 erlangte sie die Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft. Kurze Zeit war sie Volksrepublik und 1964 vereinigte sich Sansibar mit Tanganjika zu dem neuen Staat Tansania – dem es bis heute als Bundesstaat angehört.
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