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Reisebericht: Vietnam - eine Liebeserklärung
Inhaltsverzeichnis
Hoi An
Hoi An hat Glück gehabt. Es hat in den Kriegen nicht allzu viel abbekommen. Viel alte Bausubstanz ist erhalten geblieben und berichtet vom 'alten' Vietnam. Es ist schön - zu schön um zu bestehen. Als wir vor acht Jahren nach Hoi An kamen gab es dort ca. 20 Touristen, eine knappe Hand voll Restaurants und jede Menge Schimmelpilze, die im feuchtwarmen Klima in den ehrwürdigen Gebäuden ihre Party feierten. Damals konnte der Kauf eines vietnamesichen Gemüseschnitzbestecks durch eine hochgewachsene Langnase noch einen kleinen Volksauflauf auf dem Markt verursachen.
Diesen Markt, der von uniform gekleideten (blaue Kutte, Kegelstrohut) Bauern betrieben wurde, gibt es noch heute, mit zivil bekleideten Händlern und geschützt durch eine äußeren Ring mit Touristen-Nippes (die Sachen sind aber handwerklich top, den Plastikmüll gibt's hier noch nicht). Nur die hart gesottenen Reisenden dringen bis ins Innere vor, in dem es lebhafter und lauter zugeht, der Sonnenschutz niedriger hängt, es schon mal stickig werden kann und die allgemeine Betriebsamkeit durch ein paar Mopeds intensiviert wird.
Zur Zeit ist Hoi An ein wunderschöner Ort, in dem Touristen ihr kleines Abenteuer erleben und die Einheimischen ihr Wirtschaftswunder. In ein paar - eher wenigen - Jahren wird es zum Rotenburg ob der Tauber Vietnams mutieren. 'Nicht mehr ursprünglich' und 'viel zu touristisch' werden viele Leute sagen. Zumindest die, die Armut von Idylle nicht zu unterscheiden wissen.
Mekong
Vergiss den Rhein! Die Mosel und die Saar sowieso und auch Elbe und Donau und das ganze Geplörre.
Am Goldenen Dreieck, etwa auf der halben Strecke zwischen Quelle und Mündung, wo zumindest die Thais den Drogenanbau gestoppt haben und das Geschäft nun den Afghanen überlassen, ist der Mekong vielleicht noch mit den oben genannten Pissrinnen zu vergleichen. Hier unten im Delta aber wird Meh Kong, die 'große Mutter' zum neunköpfigen Drachen 'Cuu Long' der mit seinen neun Hauptarmen und unzähligen Mäandern immerhin rund hundert Kilometer Küstenstreifen für sich beansprucht. Hier, ins Südchinesische Meer, legt er den Schlamm ab, den er so weit getragen hat, gibt den Mangroven Halt und lässt Vietnam ständig ein wenig wachsen. Hier ist er mehr Landschaft als Gewässer, ist Wohnstätte, Nahrungsquelle und Schiffahrtsweg. Optisch ist das Delta auch aus dem achten Stockwerk nicht zu erfassen. Es klemmt immer der Horizont dazwischen - in allen Richtungen.
Aber trotz diesem monströsen Gulli kann der Mekong in der Regenzeit sein Wasser nicht lassen, staut sich zurück in seine Nebenflüsse, viele hundert Kilometer weit, lässt den Tonle Sap auf das achtfache seiner Oberfläche anschwellen, hat so das Königreich von Angkor erst möglich gemacht und nährt heute noch Milliarden Fische und Millionen Kambodschaner. So ganz nebenbei.
Mekong. Das ist ein Fluß!
Sprache
Probiert nicht vietnamesisch zu sprechen. Bitte nicht. Lasst es sein. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich möchte niemanden davon abhalten die vietnamesische Sprache ernsthaft zu erlernen, aber dieses Kauderwelsch aus dem Mikrowörterbuch im Reiseführer auf Seite 368, dass uns in die Lage versetzt in Griechenland, Spanien und Finnland mit einem grauenhaften Akzent nach einer Straße zu fragen und manchmal sogar verstanden zu werden. Hier funktioniert das nicht.
Ich bin schon am Chinesischen gescheitert. Wegen den Betonungsvarianten, die jeder Silbe einen anderen Sinngehalt geben, den berüchtigten 'vier Tönen'.
Das Vietnamesische kennt derer sechs. Wer trotzdem so tollkühn ist es zu probieren, darf sich nicht wundern wenn er im Restaurant freundliche aber ungläubige Blicke erntet weil er fragt, ob sie Hämorrhoidensalbe hätten und sein Meerschweinchen auswuchten könnten. Und einem Taxifahrer zum Abschied 'Herzliches Beileid' zu wünschen könnte durchaus missverstanden werden.
Auch die lateinischen Lettern, die sich vor etwa hundert Jahren nach langem Kampf gegen die chinesischen Zeichen durchsetzen konnten, sind mit ihren Zoo von Betonungszeichen keine wahre Hilfe. So lautet die Hafenstadt Nha Trangh in etwa 'Nja Chiang' und die grandiose Nudelsuppe 'Phò', dieses vietnamesiche Wunder, spricht sich 'Fe'. Mit diesem verächtlich abfallenden 'e', dass es nie zum 'ö' geschafft hat.
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Sehr schön geschrieben! Vietnam ist seit langem ganz weit oben auf meiner Fernweh-Liste und das, wie ich mal wieder lese, mit Recht. Danke für die Mühe! Liebe Grüße, Bettina
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Dieses Land hat den Autor in seinen Bann gezogen und lässt ihn schwärmen! Super-Beobachtungen, mit Empathie geschildert und sehr amüsant zu lesen. Ein phantastischer Beitrag!
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War im Frühjahr 2007 ebenfalls in Vietnam und kann alles bestätigen. Kompliment für den witzigen Stil, der gleichzeitig Land und Leute genau skizziert. Vorsicht! Dieses Land kann süchtig machen!
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Ich wollte immer schon mal in diese Richtung reisen. Dein Beitrag gibt mir den letzten Schubs. Gut geschrieben!
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Da muss ich nun auch hin! Vielleicht nun doch nicht gerade während des Tet-Festes...
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Danke für den tollen Beitrag! Das steigert meine Vorfreude noch mehr - in 12 Tagen geht's los nach Vietnam. Und ich nehme mir vor, anschließend einen ähnlich detaillierten und mitreißenden Bericht zu schreiben....
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Sehr amüsante Beschreibungen und tolle Tipps! Wir haben eben gerade für
2009 gebucht und hoffen, ähnlich fasziniert zurück zu kehren.
Viele Grüße
Peter -
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Tolle Beobachtungen die der Autor hier aufgenommen hat, auch sehr amüsant zu lesen. Ich glaube das ganze ist eine Reise wert. Die Richtung wollte ich schon immer mal einschlagen.
Viele Grüße Caro
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War schön dieses Reisebericht über Vietnam zu lesen. Wir waren auch schon da und ich wurde immer wieder hin fahren. Reisen auf eigene Faust ist Einfach (auch wenn man nicht mehr der Jüngste ist). Wir sind von Hanoi nach Saigon gereist in 4 Wochen.
Für alle die noch fahren, viel Spaß,
Viele Grüße
Anneken -
Hallo,
habe Anfang 2002 Vietnam von Nord nach Süd bereist und kann Deine Begeisterung sehr gut nachvollziehen. Allerdings nicht Deine Behauptung, dass außer dem Mekong alle Flüsse "Pissrinnen" sind und die New Yorker "Landeier". Da ist wohl Dein Temperament mit Dir durchgegangen ;-) -
hi,
januar 2008 war ich das letzte mal in vietnam, du wirst es nicht glauben, es war auch zum tet-fest, und genau zum tet-fest waren wir gerade in saigon. ich kann deine begeisterung auch nachvollziehen,aber in manchen bereichen geht wirklich das temperament mit dir durch! man muß nicht immer alles so ernst sehen. in diesem sinne. gruß K.F.
ps: lebe dein leben..... -
Ein sehr interessanter, teilweise amüsanter, Reisebericht :-)
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