Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben.
Reisebericht: Indonesiens Zuckerbahnen - Wenn Masochisten Urlaub machen - Teil I
Inhaltsverzeichnis
Indonesien ist laut
Wesentliche Utensilien für den Urlaub in Indonesien sind Ohrstöpsel ... Indonesien ist laut, sehr laut! Da lärmt zum Einen der Verkehr. Auspuffanlagen heißen – wahrscheinlich noch aus der holländischen Kolonialzeit – „Knallpot“. Diesen Namen tragen ca. 95 % aller Auspuffe völlig zu recht. Ergänzt wird das Konzert von Hupen aller Art. Hupen muss der javanesische Autofahrer ständig, aber das ist eine andere Geschichte, zu der wir noch kommen ...
Ein cleverer Werbestratege hat offenbar vor einiger Zeit der indonesischen Geschäftswelt klar gemacht: „Noise sells“. Die Anzahl der Soundmachines im Straßenbild ist faszinierend: Es scheint zum guten Ton im hiesigen Geschäftsleben zu gehören, für eine adäquate Beschallung des Geschäftsumfelds zu sorgen. Dies wird mittels überdimensionierter regelrechter Soundmachines versucht. Die Standfläche der Boxen scheint ausschlaggebend für das Image zu sein, nicht die Verkaufsfläche. Zumindest für die Beschallung eines mittleren Fußballstadions müssen die Dezibel ausreichen, sonst droht Prestigeverlust.
Höchst unterschiedlich ist die Qualität des Dargebotenen. So reichen die Ergebnisse vom blechernen Gescheppere (Hauptsache laut) bis zu einem derart perfekten Sound, dass selbst Pink Floyd erblassen würde. Auch die gewählte Musikrichtung ist sehr unterschiedlich, zwischen westlich, chinesisch und arabisch ist so ziemlich alles vertreten. Vermisst (??? ne, nicht wirklich) habe ich nur die „gute“ deutsche Volksmusik nach Art des Mutantenstadels, sonst war wirklich alles zu hören, bis zur neuesten Nr. 1 der US-Hitparade.
Auch in der Nacht wird es keineswegs ruhig. Der Verkehr kennt keine Sperrstunde und die Hotels liegen verkehrsstrategisch meist sehr günstig. Weiterhin gibt es im Zimmer Lärmquellen. Die Klimaanlage hat hierbei eindeutig eine Spitzenposition. Es bleibt also nur die Alternative, schlecht und heiß oder schlecht und laut zu schlafen. Bei den gängigen Temperaturen von deutlich über 30 °C geht der Trend eindeutig zu „laut“. Diese Entscheidung wird dadurch wesentlich erleichtert, dass aus den Nachbarzimmern durch die dünnen Wände ohnehin Geräusche aller Art ihren Weg in die Ohrmuschel des nach Schlaf Dürstenden finden ... Fernsehfilme, Gespräche, Badewannengeplätscher ... Wenn also schon Stöpsel in den Ohren, dann soll es wenigstens eine gut gekühlte Ruhe werden!
Gitarrensolo an der Ampel
Als wäre der Verkehrslärm nicht ausreichend, mischt im öffentlichen Straßenraum eine weitere Spezies mit. Was in der amerikanischen Großstadt der Autoscheibenputzer, ist in der javanesischen Stadt der Gitarrenklimperer. An jeder Kreuzung tritt ein Rex-Gildo-Verschnitt an das erste Auto in der Schlange vor der Ampel heran und trällert die indonesische Version von „Lass das Mädchen deiner Liebe nicht allahahein“. Unklar ist, wofür die Knaben Geld erwarten – dafür, dass sie weitermachen (weil´s so schön war) oder dafür, dass sie aufhören (weil´s so grausam war). Ich muss gestehen, eine Wertung der Beiträge führt zu keinem eindeutigen Ergebnis. Es waren Kandidaten vertreten, die es bei „Deutschland sucht den Superstar“ problemlos in die Endausscheidung gebracht hätten, aber auch solche, bei denen sich die Fußnägel merklich wölbten ...
Schräges Schreien
Die Krönung der Kakophonie jedoch ist ... Karaoke!!! Man stelle sich vor: Mensch sitzt beim Essen, eine wie üblich erlesene Folge chinesischer und/oder indonesischer Genüsse wird aufgetischt – da – auf einmal ein schauderhaft schrilles schräges Schreien aus dem Nachbarraum! Mord – und der Mörder ist doch der Koch und nicht der Gärtner? Das Lämmlein für den 3. Gang wird gerade abgestochen? (Aber nein, die schweigen ja, wie wir dank Hollywood wissen!) Der Sohn des Gastwirtes hat wieder eine „6“ in Mathematik heimgebracht und wird gezüchtigt? NEIN!!! KARAOKE!!!! Ein Blick in den Nebenraum bestätigt den Verdacht: Der vollhüftige Knarriton wimmert zum Gotterbarmen ins Mikrophon, den Text auf dem Fernsehmonitor ständig im Blick behaltend, die Lautstärke lässt die Teller hüpfen, die Frequenz bringt die Scheiben zum Schwingen.
Elvis „Li“ Presley läuft mittlerweile zur Hochform auf, der Text hinkt nur noch 3 Sekunden hinter der Musik her, aktuell wird tatsächlich bereits jeder 5. Ton getroffen. Schon (!!) nach der 4. Nummer (nach dem King aus Memphis kamen Madonna, Eagles und Cliff Richard) übergibt der begnadete Sänger das Mikrophon an ... nein, bitte nicht, NICHT die dicke alte Lady. Wenn die so klingt, wie sie aussieht, dann gute Nacht. Wo zur Hölle sind meine Ohrstöpsel????
Lesezeichen für diesen Reisebericht setzen bei ...
-
Mister Wong
-
Google Bookmarks
-
YiGG
-
del.icio.us
-
Digg
-
StumbleUpon
-
Magnolia
-
Webnews
Bookmark in Ihrem Browser speichern Schließen