Reisebericht

Reisebericht: Reise durch Brasilien

 
 
 
 
 
Reisebericht: Reise durch Brasilien

Eine Reise quer durch Brasilien führte uns durch ein wunderbares Land, über das Stefan Zweig einmal sagte, dass kein Leben ausreichte, um es ganz kennenzulernen.

Einen kleinen Auschnitt dieses schönen Landes möchte ich hier - vor allem mit Fotos - zeigen. Die Themen gehen vom Jesuitischen Barock in Minas Gerais, über Rio de Janeiro bis hin zum modernen Brasilien des Oscar Niemeyer.

Besuch bei den Goldstädten - São João del Rei

 
 
 
 
 

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Folgende Städte haben wir in Minas Gerais besucht: São João del Rei, von dort gings mit der alten Dampflok (Maria Fumaça ~ Rauchende Maria) nach Tiradentes. Von dort fuhren wir weiter nach Ouro Preto, Mariana, Congonhas do Campo und Diamantina. Die Architektur dieser Städte ist durch den Kolonialstil und durch die barocken Kirchen aus der Zeit des Gold-Booms (1705 - 1759) geprägt. Der barocke Stil im Staat Minas Geraiswird auch Jesuitischer Barock genannt.

Ich bleibe mal mal bei Stefan Zweig, der die Gegend ja gut kannte, da er selbst in Petrópolis gewohnt hat:

"Aber gerade das Stehenbleiben der Zeit gibt heute diesen [...] Städten ihren einzigartigen Reiz. Wie sonst in einem Museum hinter gläserner Vitrine ist hier inmitten einer vilefältigen Landschaft das Bildnis der kolonialen Zeit und Kultur derart unversehrt bewahrt wie an keiner anderen Stelle Amerikas [...].

... [Dort] war in der kurzen Zeit der Blüte eine ganz persönliche Kunst entstanden; die Kirchen und Kapellen dieser fünf Städte, von einer einzigen Gilde ansässiger Künstler geschaffen, gehören zu den eigenartigsten Denkmälern der kolonialen Vergangenheit, die der neue Weltteil besitzt und die gesehen zu haben sich eine ziemlich umständliche Reise lohnt."



 
 
 
 
 

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Fahrt mit der 'Maria Fumaça'

 
 
 
 
 

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Von São João del Rei zum ca. 10 km entfernten Goldgräber-Städtchen Tiradentes fährt an den Wochenenden eine alte Dampflok, die in Brasilien 'Maria Fumaça' (Rauchende Maria) genannt wird.

Es ist alles noch sehr 'echt'. vom Bahnhof, über die Lok bis zu den Wagons, so dass man sich wirklich in der Zeit zurück versetzt fühlt. Die Fahrt dauert einfach ca. eine Stunde. Eine Zeit-Reise - einfach wunderbar!



 
 
 
 
 

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Tiradentes

 
 
 
 
 

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Die Stadt Tiradentes wurde nach dem Anführer der Freiheitsbewegung gegen die Portugiesen benannt. Als Zahnarzt bekam er den Spitznamen Tiradentes ('Zahnzieher'). Die Stadt ist die 'barocke Perle' des Landes.

Weil alles noch so gut erhalten ist, werden hier gerne die in Brasilien so beliebten 'Telenovelas' gedreht; ein Besuch lohnt sich unbedingt.

Wer am Wochende dort ist, kann morgens von São João del Rei mit der alten Dampflok nach Tiradentes fahren, nachmittags zurück.



 
 
 
 
 

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Ouro Preto

 
 
 
 
 

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Ouro Preto kann man wohl als die bedeutendste Barock-Stadt Brasiliens bezeichnen. Der Gold-Boom fand zwischen 1705 und 1759 statt, die Ergiebigkeit der Minen muss alle Vorstellungen übertroffen haben.

Am Höhepunkt des Goldrausches hatte Ouro Preto fast 200.000 Einwohner, heute hat sie noch ca. 70.000. Sie war damals die größte und reichste Stadt der sog. 'Neuen Welt'. Von 1700 bis 1820 wurden ca. 1.200 Tonnen Gold gefördert; dies entsprach ca. 80 % der damaligen Weltproduktion.

Es gibt über 20 Barockkirchen ('Barroco Mineiro') in der Stadt. In manchen wurden über 400 Kilo(!) Gold für die Verzierungen der aufwendigen Inneneinrichtungen verwendet. Ouro Preto ist ein nationales Denkmal und wurde 1980 von der UNESCO zum "Weltkulturerbe der Menschheit" erhoben.



 
 
 
 
 

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Weitere Städte

 
 
 
 
 

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Die Stadt Mariana wurde bereits 1711 gegründet und ist eine der ältesten Städte des Bundesstaates Minas Gerais. Besonders sehenswert ist der Platz 'Praça Minas Gerais' mit dem Kirchenensemble 'Igreja do Carmo' und 'Igreja de Assis'.

In Congonhas do Campo ist besonders der Hügel mit der 'Basilica do Senhor Bom Jesus de Matosinhos' interessant, daneben das 'Casa dos Milagros' (Haus der Wunder). Dort kann jeder seinen Wunsch oder Dank für ein ersehntes oder geschehenes Wunder hinterlassen.

Die Stadt Diamantina liegt 285 km nördlich von Belo Horizonte in den Bergen. Es ist ein schönes Kleinod, dennoch fährt man ein paar Stunden die Landstaraße entlang und man sollte sich mindestens 2 Tage dafür Zeit nehmen (inkl. An- und Abreise). Der Name der Stadt stammt von den Diamanten, die man hier gefunden hat.



 
 
 
 
 

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Rio de Janeiro

 
 
 
 
 

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Zu Rio de Janeiro meinte Stefan Zweig, die Natur habe hier in einer einmaligen Laune von Verschwendung von Elementen der landschaftlichen Schönheit alles ein einem engen Raum zusammengerückt, was sie sonst sparsam auf ganze Länder verteile.

Etwas pathetisch vielleicht, aber seht selbst: Wir hatten eine phantastische Aussicht vom Corcovado sowie einen unglaublichen Sonnenuntergang vom 'Pão de Açucar'.

Die 'bonde', die alte Tram, fährt - zum Glück- immer noch über die 'Arcos da Lapa' (Aquäduktbögen) zum und durch den Stadtteil 'Santa Teresa'. Auf seine 'Sieben Sachen' sollte man dabei achten:-).



 
 
 
 
 

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Paraty

 
 
 
 
 

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Paraty - ist das koloniale Schmuckstück an der Küste zwischen Rio und São Paulo.

Paraty war der Endpunkt der 500 km langen 'Estrada Real', auf der das Gold und die Diamanten zum Verschiffen ans Meer transportiert wurden. Später war dies dann Rio de Janeiro. Paraty ist etwas touristisch, aber außerhalb der Saison, von Januar bis April, ist es relativ ruhig und man kann die 'koloniale Atmosphäre' genießen.

Es gibt viele Pousadas in allen Preiskategorien und sie sind i.d.Regel gut ausgestattet und eingerichtet. In Paraty kann man schöne Bootsfahrten entlang der 'Grünen Küste' ('costa verde') unternehmen.

Ganz in der Nähe, in Boa Vista, befindet sich die 'Casa Mann': das Haus, in dem die Mutter von Thomas und Heinrich Mann aufgewachsen ist. Leider verfällt das Anwesen immer mehr.




 
 
 
 
 

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Maria Fumaça: von Anhumas nach Jaguariúna

 
 
 
 
 

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Zwischen Anhumas (bei Campinas) und Jaguariúna gibt es eine weitere, sehr gut erhaltene historische Eisenbahnstrecke, die noch mit einer der ersten Dampfloks ('Maria Fumaça') des Landes betrieben wird.

Die ersten Eisenbahnlinien entstanden in Brasilien in den Jahren 1850 bis 1860, als Großgundbesitzer, Händler und Industrielle nach einer Möglichkeit suchten, Kaffee und Rohstoffe aus dem Hinterland an die Küste zu transportieren.

Der originale Bahnhof in Anhumas stammt noch aus der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert und ist sehr gut erhalten. Die traditionsreiche Eisenbahnlinie wurde 1875 vom Kaiser Dom Pedro II eingeweiht.

Die ca. 24 km lange Strecke führt vorbei an an alten Wärterhäuschen, Zuckerrohr- und Maisfeldern, Rinderfarmen sowie Obstplantagen. Außerdem führt sie mitten durch Kaffeefarmen ('fazendas do café'), von denen manche früher eine eigene Haltestelle für ihr 'Personal‘ besaßen.



 
 
 
 
 

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Serra Verde Express

 
 
 
 
 

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Der 'Serra Verde Express' fährt täglich von Curitiba nach Morretes, sonntags bis in die Hafenstadt Paranaguá. Diese Reise sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man in der Gegend um Curitiba ist. Sicher gibt es wenige, solch spektakuläre Bahnstrecken!

Die Schmalspurbahn von 1885 führt durch ein wildes Küstengebirge und den dichten Urwald der 'Serra do Mar' und überwindet einen Höhenunterschied von 950 Metern auf ca. 90 km. Wunderbare Panoramen breiten sich vor einem aus, dabei geht es durch 13 Tunnels und über 67 Brücken.



 
 
 
 
 

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Das moderne Brasilien des Architekten Oscar Niemeyer

 
 
 
 
 

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"It is not the right angle that attracts me. Neither the straight line, hard and inflexible, created by man.

What attracts me is the free and sensual curve. The curves I find in the mountains of my country, in the sinuosus course of its rivers, in the clouds in the sky, in the body of a beloved woman.

The whole Universe is made of curves, Einstein's curved Universe."

Oscar Niemeyer


Hier zu sehen an den Beispielen
- Kunstmuseum 'Museu de Arte Contemporânea' - MAC, Niterói
- Museu Oscar Niemeyer - MON, Curitiba
- Pavillon 'Lucas Nogueira Garcez', auch bekannt als Museum 'Oca', São Paulo
- Auditorium im Ibirapuera-Park in São Paulo.



 
 
 
 
 

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Vielen Dank fürs Lesen und Anschauen!

Jochen Weber,
São Paulo (im März 2010)
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Für alle Fotografien dieses Reiseberichts besitze ich, Jochen Weber, das alleinige Urheberrecht. Jegliches Kopieren, Vervielfältigen und Verwenden der Fotos und Texte dieses Artikels ist ohne ausdrückliche und schriftliche Genehmigung durch mich verboten und strafbar. Jeder mir bekannt werdende Verstoß wird angezeigt.


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Kommentare
  • enfrente 12.03.2010 | 08:26 Uhr

    Ein sehr informativer Reisebericht und klasse geschrieben. Beeindruckend sind auch die ausdrucksstarken Fotos. Danke für die kleine Reise durch Brasilien. lg Romy

  • mamaildi 12.03.2010 | 12:08 Uhr

    Das war eine schöne und informative Reise durch Brasilien, die ich hier eben machen konnte. Die Fotos dazu sind fantastisch!

  • freeneck-farmer 13.03.2010 | 17:03 Uhr

    Sehr gute Eindrücke von Brasilien. Die Architektur , Alt und Neu, gefällt mitr sehr gut. War noch nie in Brasilien, bin aber jetzt neugierig geworden.
    lg Anneken

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