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Reisebericht: Fjordland National Park
Ankunft im Fjordland
Mit einem Mal befand ich mich in einer anderen, in einer verlassenen Welt. Hinter dem Tunnel lag eine karge Landschaft. Graue hochaufgeschossene Berge; rutschendes Geröll; Nebelschwaden, die der Wind über die Baumwipfel fegte; dünnes Gras; Krampfadern im Fels. Ein Ort, vom Leben kaum berührt. Im Winter muss es hier bitterkalt, trostlos, gar bedrückend sein, dachte ich. Doch folgte man der Straße bergab ins Cleddau-Tal, gelangte man schließlich in den Anfang des Milford Sound, den Kipling als das achte Weltwunder bezeichnet hatte. Kipling, der schrieb: »They shut the road through the woods seventy years ago«, könnte mit dem Satz das Fjordland gemeint haben.
Mittendrin thronte der Mitre Peak, eine mehr als achtzehnhundert Meter hohe Felsnadel aus schwarzem Monolith, rechter Hand stürzten die Stirling Falls von einem Hochtal tief in den Fjord. Der Himmel war blau und die Wolken so nah, dass sie mit den Knien an den Berggipfeln hängen blieben. Ein schöner Ort zum Träumen zu Füßen seiner Majestät. Überwältigt von der Schönheit der Landschaft, ließ ich mich unmittelbar am Wasser nieder. Ein Rotkehlchen hatte sich hierher verirrt, lief hüpfend über das Uferwasser, wusch sich sorgfältig und flog davon. Mit sorgsamer Zärtlichkeit liebkoste die gebändigte See die grasvollen Ufer, kleine Baumstämme lagen unberührt herum, dunkelblättrige Bäume wandten sich zum Wasser, das die Sonne funkelnd einfing. Ein Schiff, das tagaus, tagein neugierige Menschen in die stillen Fjorde brachte, lag wartend vor Anker, während nur wenige, sich verträumt sonnende Menschen außerhalb des Hotels saßen. Die ringsherum steil aufragenden Berge erinnerten an pobackige Kuchenformen aus Großmutters Küche und an steingewordene Enten, die beim Fischen ihr Hinterteil aus dem Wasser gestreckt hatten und steckengeblieben waren. Doch mein Blick blieb immer wieder an dem tiefblau schimmernden, in dicken weißen Wolken gehüllten Mitre Peak hängen, eine Schönheit von Berg, wie ich sie noch nirgendwo sah.
Hier saß ich klein wie eine Laus in diesem Genius Loci und war glücklich. Hin und wieder wurde ich von solchen makellosen Gefühlen heimgesucht, nicht oft genug, das musste ich zugeben, aber es geschah! Da störte auch nicht, dass die Sandfliegen, die wie Jäger auf der Lauer lagen, allgegenwärtig schienen; sie suchten das Blut, die Öffnungen der Nasen und Ohren und flogen tief in die Kehlen hinab. Da störte auch nicht, dass in unmittelbarer Nähe einige Bagger untätig herumstanden. Offenbar sollte das Paradies von Menschenhand erweitert werden. War das die Schlange? Doch weder die Maschinen noch die Sandfliegen hätten in diesem Augenblick den Zauber brechen können. Ich spürte, dass der Mensch in dieser Gegend nur ein Intermezzo von kurzer Dauer war. Die Vögel gehörten hierher: der fette Kea, der dumme Kakapo, der trottelige Kiwi, Wale und Delphine, Tuatara und Giant Weta. Sie kannten ihren Platz und gehörten hierher, niemand sonst.
Gebannt beobachtete ich das Spiel von Wolken und Schatten, die das Gesicht des Mitre Peaks unaufhörlich veränderten, und schaute lange zu den Bergen hinüber. Es war einer jener Momente, den man mit einem Gefühl vollkommener Zufriedenheit genoss. In diesem stillen Augenblick schrie ein Vogel.
Die Südinsel Neuseelands...
...war gerade aus dem versteinerten Kanu Mauis entstanden, da zog Tu-te-Rakiwhanoa, ein Maori-Gott, die Westküste entlang und schlug mit einer gewaltigen Axt Kerben ins Land. Da er jedoch wenig Erfahrung mit diesem scharfen Werkzeug hatte, fielen die durch die Hiebe hervorgerufenen Einschnitte sehr ungleichmäßig aus. Erst als er zum Milford Sound kam, konnte er einigermaßen mit seiner Arbeit zufrieden sein; die Kerben gelangen nun besser. Während Tu-te-Rakiwhanoa sich ausruhte, kam die Erdmutter herbei und überredete ihn, am Ende des Sunds eine ebene Fläche zu schaffen. Doch auch die Göttin des Todes, Te Hinu-nui-te-po, erschien. Da sie von den Wunderwerken des Schnitzers derart begeistert war und den Anblick des Fjordlandes mit niemandem teilen wollte, schuf die Tochter Tanes nach einer Legende die riesige Te Namu und viele andere Lebewesen, die all jene von diesem Ort fernhalten sollten, die, wie sie, von diesem Land des Wassers, des Regens, der Fjorde, der Farne, der Wasserfälle, der Katarakte und der Seen angezogen wurden.
Flug über den Fjordland National Park
Es war später Nachmittag, als ich auf den Gedanken kam, mir das Fjordland aus der Luft anzusehen. Kurz vor Geschäftsschluss bekam ich noch einen Platz in der Cessna, die abseits auf dem kleinen Flugplatz stand, auf den Fjord hinausblickte und den Bergen den Rücken kehrte. Ich hatte Glück gewissermaßen als Kopilot, auf dem einzigen freien Sitz der letzten Maschine des Tages mitfliegen zu dürfen. Jules war unser Pilot, den ich kurz vor dem Einsteigen nach dem Namen des Läufers fragte, nachdem wir uns eine Weile über seine Maschine unterhalten hatten. Doch er zuckte nur mit den Schultern, wollte statt dessen aber wissen, ob das »Salambo« auf der Hamburger Reeperbahn noch existiere. Behängt mit Goldringen und -reifen saßen in meinem Rücken zwei mit aufwendiger Fotoausrüstung ausgestattete Ehepaare. Zunächst hörte ich auf ihre amerikanischen Stimmen, bis ich sie sehr bald im Spektakel der Rotoren verlor und einen Kopfhörer aufgesetzt bekam.
Der Flug hatte eine knappe Dreiviertelstunde gedauert, als wir in Te Anau landeten und die Amerikaner in ihr Hotel gingen.
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Blumiger Text mit leider zu wenigen Fotos. Jedoch sehr Fantasie anregend gemacht. Das was alle am Milford Sound machen, eine zweistündige Bootsfahrt mit einem der vielen Schiffe, wurde hier nicht erzählt.
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Wie schon der Vorredner zu beanstanden hatte - ein paar mehr Photos hätten nicht geschadet. Zudem stieß mir persönlich die aus jedem zweiten Satz quellende Metaphorik etwas sauer auf - als hätten sich Romantik und Expressionismus gepaart. Es macht den Text leider zu abstrakt und zu wenig konkret - dennoch (da ich das Land bald bereisen werde) hat er meine Erwartungen geschürt!
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Hallo Wisch, ich war ebenfalls im Fjördland Nationalpark während meiner Fahrrad-Reise durch Neuseeland, ich habe darüber auch einen Bericht hier veröffentlicht, unterwegs. Wir haben damals eine Bootstour duch den Milford-Sound gemacht, das war einfach unbeschreiblich, da sieht man wie klein der Mensch gegenüber der Natur ist, wir hatten auch noch ein Traumwetter erwicht. Anschließend haben wir noch den Kepler-Track gemacht, der war auch fantastisch.
Viele Grüße, Frank. -
Ein Reisebericht der etwas anderen Art... Die meisten Texte sind ja eher nüchtern und sachlich. Umso schöner, solch ein lyrisches Juwel zu entdecken. Deine Worte haben meine Vorfreude auf Neuseeland noch mindestens verdoppelt - leider muss ich mich noch ein wenig gedulden, unsere Rundreise ist erst für Februar 2009 geplant.
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