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Reisebericht: Und Du Kathmandu? Von Darek Wylezol
Feste, Feier, Phalluskult
Wir sausen durch die Dunkelheit. Der Asphalt endet, die Steine fliegen um die Ohren. Geschwindigkeitsbegrenzung? Ne, hier schützt Ganesh den Reisenden - grinst der Taxifahrer, hupt, gibt Gas. Bistare! Langsam!!! Er bremst. Meine Nase zieht einen feuchten Streifen auf der Frontscheibe, sodass ich wieder was sehen kann: Wir sind in Pashupatinath. Die Menschenmasse zerrt mich runter zum Tempel. Es riecht nach Rauch, es riecht nach Schweiß und Haschisch. Links schlängeln sich ein Dutzend Kobras zur Flötenmusik. In den dichten Rauchschwaden wandeln Bettler, Pilger und Schaulustige vom Tempel zum Tempel. Es ist Shiva Ratri, die Nacht des Shiva, das magischste aller Feste Nepals. Heute Abend pilgern Tausende hierher und feiern den wichtigsten Hindugott des Landes. Er wird in Pashupatinath als Herr der Tiere in Gestalt eines gigantischen Phallussen verehrt. Einige Pilger stehen bereits heute vor dem Eingang zu seinem Tempel. Sie wollen Morgen zu den ersten gehören, die ihre Opfergaben dem Lingam überreichen
Das mystische Shiva Ratri (Foto rechts) ist nicht das einzige Fest dieser quirligen Stadt. Bunte Fröhlichkeit erwartet den Besucher während des Holi-Festes (Februar-März). Denn dann bombardieren sich die Einheimischen gegenseitig mit Beuteln, die mit Farbpulver gefüllt sind. Schon gegen Mittag verwandelt sich die Stadt in einen tobenden Regenbogen. Und wenn dann ein westlicher Tourist in seinem blitzblanken Outfit in der Altstadt erscheint, dann sieht es für ihn ziemlich bunt aus...
Persönliche Meinung von darek:
Schon alleine die Stadt ist ein einzigartiges Erlebnis. Persönlich finde ich das hier beschriebene Shiva Ratri (Februar-März) Fest am schönsten. Dann herrscht in Pashupathinath eine unheimliche Stimmung. Mystisch - um nicht zu sagen dämonisch...
Links und rechts am Straßenrand wanken im Zwielicht der Lagerfeuer halbnackte Sadhus - Wandermönche, die in strenger Askese leben. Sie kommen von weit her, manche sogar aus Südindien. Alles was sie besitzen, liegt vor ihnen ausgebreitet. In einem verrußten Topf wird gerade der Reis gekocht. Vorne steht die Bettelschale, in die mein Vordermann eine Münze wirft. Daneben ragt ein Dreizack in die Höhe, ein Symbol Shivas. Ich stolpere beinahe über die rauchende Haschischpfeife: Kein Askesenbruch, denn diese hatte auch Shiva immer dabei. Die Körper der Sadhus sind mit Asche eingerieben, ihre Stirne mit roten und gelben Streifen bemalt. Sie murmeln Unverständliches, sie schauen mich mit ihren abwesenden Augen an, ihre Dreadlocks drehen sich im Trance. Einer von ihnen steht an einem Baum. Seine Gestalt ist von einer Feuerrauchwolke verhüllt. Die ganze Nacht, das ganze Leben lang wird er sich nicht hinsetzen und nur so stehen bleiben, weiß mein Zuschauernachbar zu berichten. Ein anderer bindet sich gerade einen basketballgroßen Stein an die Hoden. Es ist seine Art, dem irdischen Vergnügen ein Ende zu setzen... Unten am Fluss lodern die Feuer der Scheiterhaufen. Wer hier im heiligsten Ort Nepals stirbt und verbrannt wird, der wird erlöst und damit nicht mehr wiedergeboren. In aller Öffentlichkeit nimmt man Abschied von den Verstorbenen. Die teilweise halbverbrannten Überreste wirft man in den Fluss. Niemand weint, niemand trauert. Der Tod gehört zum Dasein. Das Rad des Lebens dreht sich weiter...
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5 Bücher
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Sehr interessant und mitreißend geschrieben!
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Ausgezeichneter Bericht, lebendig und unterhaltsam. 5 Sterne! Nur schade, dass es keine Fotos gibt...
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Bilder folgen!
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Schöner Bericht! Macht Lust auf Nepal!
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Toller Bericht! Es steht das drin, was NICHT in jedem Reiseführer steht, das ist genau das, was ich mir von dieser community verspreche! Immer wieder hab ich beim Lesen gedacht "genau so ist es, so hab ich es auch erlebt", Kathmandu originell und sehr treffend beschrieben!! Man liebt es oder man hasst es, dazwischen gibts nicht...
LG Ildiko -
hallo darek. einfach köstlich geschrieben.... ist schon eine weile her, daß ich dort war, aber ich habe den ort sehr genossen und finde viel von dem, was ich damals empfunden habe, bei dir wieder. seeeehr schön. ich will da sofort wieder hin! lg karin
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hallo darek, ich habe Pashu zwar zu einer anderen Zeit besucht, doch in deinen Schilderungen weht die Atmosphäre quasi noch durch den Orbit ;-)
- eindrucksvoll. lg, ute
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